#27 Vom Fußabdruck zum Herzabdruck – Nachhaltigkeit in der IT

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Wie gelingt die Transformation zu mehr Nachhaltigkeit aus Sicht der IT? Christian Dürks Gäste sind Rainer Karcher von der Allianz Technology und Hilke Posor, Geschäftsführerin der Heldenrat GmbH.

Gast der Episode:
Frau Dr. Hilke Posor, Geschäftsführerin von Heldenrat, einer Nachhaltigkeitsberatung mit Fokus auf Changemanagement und nachhaltiger Transformation. Heldenrat ist ein Social Business, das soziale Projekte unterstützt und eine langjährige Erfahrung in verschiedenen Nachhaltigkeitsfragen hat.

In Folge 20 ging es schon einmal um das Thema Nachhaltigkeit in Projekten aus einer etwas anderen Perspektive.

Gast der Episode:
Rainer Karcher ist Chief Sustainability Officer bei der Allianz Technology. Er ist verantwortlich für die ganzheitliche Nachhaltigkeit im Sinne der Sustainable Development Goals (SDGs) weltweit. Er verfügt über mehr als 25 Jahre IT-Erfahrung in verschiedenen Unternehmen.


Nachhaltigkeit in Projekten bei der Allianz Technology:

  • Nachhaltigkeit spielt eine entscheidende Rolle schon aufgrund des Geschäftsmodells der Versicherung und der Notwendigkeit, Schäden zu minimieren.
  • In Projekten wird von Anfang an überlegt, wie Digitalisierung genutzt werden kann, um Nachhaltigkeitsziele zu unterstützen.
  • Die Sensibilisierung für Nachhaltigkeit in den Teams hat schon zugenommen, jedoch gilt es weiterhin, Engagement und Bewusstsein zu fördern. Das ist ähnlich wie bei dem Thema IT Security, was inzwischen stark im Bewusstsein der Mitarbeiter verankert ist.
  • Auch soziale Nachhaltigkeit spielt eine bedeutende Rolle. Inklusion, Barrierefreiheit und Diversität – auch soziale Gerechtigkeit und Menschenrechte in globalen Projekten.
  • Wachsende Bedeutung ethischer Fragen, insbesondere im Zusammenhang mit generativer Künstlicher Intelligenz und nicht IT-orientierten Anwendungen.
  • Bei der Softwarentwicklung: Beachtung von Inklusion und Barrierefreiheit, zum Beispiel bei einer digitalen Schadensmeldung

Digitalisierung eröffnet neue Möglichkeiten für Nachhaltigkeit

  • Die Digitalisierung wird als Schlüssel zum Erfolg in der Nachhaltigkeit betrachtet, wobei der Fokus auf Daten und IT liegt.
  • Es ist wichtig, Weisheit, Ethik und Effizienz bei der Nutzung von IT und Daten zu berücksichtigen, um ungewollte negative Effekte zu vermeiden.
  • Digitalisierung kann nicht nur die Effizienz verbessern, sondern auch direkte Nachhaltigkeitsverbesserungen erzielen. Beispiele werden genannt, wie Unternehmen durch Digitalisierung über Dashboard ihren CO2-Fußabdruck überwachen oder Smart-Technologien für Inklusion einsetzen.

Nachhaltigkeit im Mittelstand

  • Der Mittelstand nutzt noch nicht ausreichend digitale Lösungen für Nachhaltigkeitsmanagement.
  • Der Mittelstand bildet eine große Chance, um gemeinsame Plattformen für Daten zu schaffen.
  • Große Unternehmen verfügen über Ressourcen und Teams, die sich intensiv mit ethischen Fragestellungen, insbesondere Inklusion und Barrierefreiheit, auseinandersetzen können, was im Mittelstand aufgrund begrenzter Ressourcen schwieriger umzusetzen ist.
  • Trotz begrenzter Ressourcen sollten mittelständische Unternehmen zumindest eine Person benennen, die sich mit den gesetzlichen Anforderungen im Bereich der Nachhaltigkeit auseinandersetzt. Dieser erste Schritt ermöglicht es, Bewusstsein im Unternehmen zu schaffen und regelmäßig Fragen zu nachhaltigen Aspekten aufzuwerfen.
  • Die Zusammenarbeit von Großkonzernen und Mittelständlern ist wichtig. Großkonzerne können aktive Hilfe und Unterstützung für Partner bei der Umsetzung ethischer Standards und Anforderungen geben, besonders in Bezug auf Lieferketten und Berichterstattung.

Tools für Nachhaltigkeitsberichtserstattung

  • Besonders im Kontext neuer EU-Standards wird die Notwendigkeit von Tools für Nachhaltigkeitsberichtserstattung betont.
  • Es geht darum, Tools zu nutzen, die den Standards entsprechen und den Berichterstattungsaufwand reduzieren.

3-Säulen-Modell: Fußabdruck, Handabdruck, Herzabdruck

  • Das 3-Säulen-Modell schafft eine ganzheitliche Perspektive auf Nachhaltigkeit, indem es ökologische, technologische und soziale Aspekte miteinander verbindet.
  • Der Handabdruck spiegelt dabei die positiven Wirkungen des Handelns mit Bezug auf das Thema Nachhaltigkeit wider, während der Fußabdruck die negativen Wirkungen darstellt.
  • Fußabdruck: Klärung und Minimierung des individuellen ökologischen Fußabdrucks.
  • Handabdruck: Nutzung von IT zur Förderung der Nachhaltigkeit und Automatisierung.
  • Herzabdruck: Betonung sozialer Nachhaltigkeit, Motivation durch soziales Engagement.
  • Die Motivation zur Transformation entsteht durch das Verständnis der eigenen Wirkung und den Zweck (purpose), insbesondere durch das Wecken von sozialem Engagement und individuellen Interessen.
  • Mittelständler könnten den Begriff des Herzabdrucks übernehmen und bspw. gezielt gesellschaftlichem Engagement ihrer Mitarbeitenden fördern oder regionale Projekte. Der Herzabdruck ist nicht nur Wertschätzung für die Mitarbeitenden, sondern ermöglicht auch die Übertragung von sozialen Kompetenzen auf unternehmerische Belange.

Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LKSG) und Nachhaltigkeit

  • Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LKSG) in Deutschland, diskutiert auch auf europäischer Ebene, vereint Nachhaltigkeit und Menschenrechtsfragen.
  • Es verlangt Transparenz über die gesamte Lieferkette, was zum Beispiel in großen Unternehmen schwierig ist. Unternehmen müssen auf Freiwilligkeit setzen, indem sie Lieferanten auffordern, Fragenkataloge zu beantworten. Die Herausforderungen liegen in der Größe und Vielschichtigkeit der Lieferketten.
  • Unternehmen, besonders in der Magnettechnik und Textilindustrie, zeigen, dass die intensive Auseinandersetzung mit Lieferketten zu Verbesserungen führen kann.

Die Transformation hin zu mehr Nachhaltigkeit ist ein Prozess, der von Transparenz, Daten, und einem ganzheitlichen Verständnis für ökologische und soziale Aspekte geprägt ist. Es erfordert die Zusammenarbeit auf verschiedenen Ebenen, von der individuellen Entscheidung bis zur unternehmensübergreifenden Partnerschaft.

Nachhaltigkeit sollte nicht als Wettbewerb betrachtet werden, sondern als gemeinsame Anstrengung. Die Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen dienen als gute Basis, um Nachhaltigkeit umfassend zu definieren.

Host des Podcasts:
Christian Dürk ist Host des Podcast und Vorstand von Corivus. Er hat mehr als 20 Jahre Erfahrung im Management komplexer IT- und Organisationsprojekte. Sein besonderes Steckenpferd ist der Spagat zwischen kurzfristigem Drehen eines Projekts und seiner langfristigen Organisation – insbesondere einer zukunftsfähigen Personalplanung, die das dauerhafte Funktionieren eines Bereichs sichert.

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